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Reise der Hoffnung

Xavier Koller, Switzerland, France, Turkey, UK, 1990o

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A Turkish family has sold house and farm to finance a journey from their poor homeland to Switzerland. In Italy, the family falls into the hands of traffickers, who take them to the mountains with a group of other refugees and send them on their journey to Switzerland despite uncertain weather conditions. The human drama based on a true story was awarded the Oscar for Best Foreign Language Film.

Ein «Fait divers», das sich 1988 am Splügenpass zugetragen hat, gab den Anstoss zu Xavier Kollers beklemmendem Spielfilm. Der tragische Fall eines türkischen Ehepaars, das beim Versuch, illegal in die Schweiz einzuwandern, seinen Sohn verliert, hat den Schwyzer Regisseur nicht zu einem plumpen Rührstück verführt; ohne exakt rekonstruieren zu wollen, folgt er weitgehend unprätentiös und nur zuweilen etwas plakativ den Stationen auf einer Reise der bitteren Desillusionierung, die eine nachhaltige Anteilnahme weckt.

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Washington Post, 5/16/1991

From Rita Kempley

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rogerebert.com, 5/9/1991

From Roger Ebert

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Locarno International Film Festival, 8/11/2016

From Adriano Ercolani

All rights reserved Locarno International Film Festival. Provided by Locarno International Film Festival Archiv
4/4/1991
Drei von sehr vielen

Xavier Kollers Oscar-prämierter Film Reise der Hoffnung

From Peter Buchka

Im Schlepptau einer spektakulären Auszeichnung kommt ein Film in unsere Kinos, dem man dort wohl sonst — trotz anderer Preise wie dem Bronzenen Leopard des Festivals von Locarno — keine grossen Chancen hätte einräumen können: Xavier Kollers Reise der Hoffnung, den Hollywood gerade mit dem Oscar für den besten ausländischen Film des Jahres geehrt hat. In den europäischen Wohlstandsgesellschaften sieht man nämlich die Geschichte, die Kollers Film erzählt, gar nicht so gern: wie Fremde aus wirtschaftlich und kulturell zurückgebliebenen Regionen sich in den Paradiesen des Reichtums eine neue Heimat suchen.

Im klassischen Einwanderungsland Amerika haben vergleichbare Schicksale natürlich Tradition. Wie Anthony Mann und Robert M. Young haben viele die Leiden einreisewilliger Mexikaner beschrieben; Joan Micklin Silver und Barbra Streisand zeigten die Sehnsucht ostjüdischer Frauen nach Emanzipation. Der Klassiker dieses Genres ist natürlich Amerika, Amerika, mit dem Elia Kazan für seine anatolischen Vorfahren den Dank an ein grosszügiges Gastland abstattete. Dass Hollywood also ausgerechnet ein Einwanderungsdrama mit seiner höchsten Auszeichnung ehrte, ist darum nicht als Überraschung, eher als stille Reminiszenz an die Vergangenheit der Akademie-Mitglieder zu werten.

Bei uns sind solche Filme noch die Ausnahme. Zu sehr mahnen sie an eine massenhaft befürchtete Zukunft, obwohl doch das Problem seit mindestens einem Vierteljahrhundert dringende Gegenwart ist. Dass Menschen gegen alle Ängste und Bindungen ihre Heimat verlassen, ist denn auch ganz zurecht für Xavier Koller ein Zeitphänomen: „Noch nie waren so viele Leute unterwegs wie heute. Eine Völkerwanderung ist im Gange - weltweit. Man muss die althergebrachten Grenzen in Frage stellen.”

Die Furcht des Regisseurs

Das wäre in der Tat ein grosses Vorhaben gewesen. Im Film allerdings löst es Koller nicht ein, weil er aus lauter Furcht, in ein politisches Thesenstück hineinzurutschen, am Ende sich zu gar keiner These mehr verstehen kann. Er klammert sich, was im Prinzip richtig und ehrenwert ist, an die drei Menschen, deren schwere Reise er beschreibt. Eine Postkarte aus der Schweiz bringt den armen Bauern Haydar auf den Gedanken, den harten Boden seiner Heimat zu verlassen: „Aus den Eutern deiner Ziegen würde hier Butter fliessen."

So macht er sich auf mit seiner Frau Meryem und dem siebenjährigen Sohn Mehmet Ali, um für seine Familie das Glück zu finden. Es ist eine beschwerliche, teure und — was das Schlimmste ist – auch demütigende Reise, bevor die drei auf ihrer modernen Völkerwanderung vor dem Tor zum Paradies stehen. Es ist ein seltsames, schäbiges Tor, nämlich ein unwegsamer Gebirgspfad, auf dem geldgierige Schlepper die illegalen Immigranten ins Land ihrer Verheissung führen. Und der Schlüssel zu diesem Tor besteht aus den beiden einzigen Worten, die man den Neuankömmlingen beigebracht hat: „Politisch Asyl”.

Xavier Kollers opulent photographierter Film strotzt vor den vielfältigsten Motiven und Aspekten, die diese Problematik in sich birgt. Er erzählt darum gleich mehrere Geschichten. Aber das ist nicht unbedingt ein Reichtum seiner Erzählweise, sondern eher eine Unentschiedenheit. Man könnte auch sagen: er erzählt keine dieser möglichen Geschichten richtig. Sagen wir's moderater: er kann sich zu keinem Hauptaspekt entschliessen.

Der Grund dafür ist, dass er gespalten ist in seiner Sehweise. Soll er nun mit schweizerischen oder mit türkischen Augen auf das Geschehen blicken? So kommen Missverständnisse auf. Dürfen wir wehmütig werden vor der weiten Landschaft und den archaischen Riten der Dorfgemeinschaft, oder müssen wir Wut und Trauer empfinden angesichts der kärglichen Armut und der hinterwäldlerischen Rückständigkeit? Und was sollen wir von der saturierten Gutmütigkeit der Schweizer denken, die so gerne helfen und genauso gerne unter sich bleiben möchten?

Die aufregendsten Momente der Geschichte werden von Koller freilich nur flüchtig gestreift und dann unerledigt liegen gelassen: Wie der kleine Pascha in eine immer kläglichere Rolle gerät, je weiter er sich von seinem Dorf entfernt. Was sich seine stolze, stumme Frau über den Verlust seiner angemassten Autorität denkt. Wie der Junge das Existenzdrama seiner Eltern grossäugig als aufregendes Abenteuer betrachtet und doch darüber fast schon erwachsen wird.

Stattdessen hält sich Koller an die äussere Tragik des Geschehens und die ausdrucksstarken Gesichter seiner Protagonisten. Das genügt durchaus, um Mitleid, Rührung und Anteilnahme zu erzeugen. Aber das allein reicht noch nicht hin, um hinter der individuellen Tragik die Ursachen eines drückenden Zeitphänomens zu erkennen.

All rights reserved Süddeutsche Zeitung. Provided by Süddeutsche Zeitung Archiv
8/24/2016

From Christian Jungen

All rights reserved NZZ am Sonntag. Provided by NZZ am Sonntag Archiv
Berner Zeitung, 5/14/2019

From Hans Jürg Zinsli

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Interview mit Xavier Koller
/ SRF
de / 2/12/2017 / 02‘29‘‘

Schicksal eines Oscargewinners
/ SRF
de / 2/23/2012 / 04‘34‘‘

Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film
/ SRF
de / 5/14/2019 / 02‘02‘‘

Porträt von Xavier Koller
/ SRF
de / 7/13/2012 / 26‘39‘‘

Movie Datao

Other titles
Voyage vers l'espoir FR
Journey of Hope EN
Genre
Drama
Running time
110 Min.
Original languages
German, Turkish, Swiss German
Important Awards
Oscar 1991: Best Foreign Language Film
Ratings
cccccccccc
IMDb7.6/10

Cast & Crewo

Nur SürerMeryem
Necmettin ÇobanogluHaydar Sener
Emin SivasMehmet Ali
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Bonuso

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Schicksal eines Oscargewinners
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Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film
SRF, de , 02‘02‘‘
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Porträt von Xavier Koller
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gText
Review Washington Post
Rita Kempley
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Interview with Xavier Koller
Locarno International Film Festival / Adriano Ercolani
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Berner Zeitung / Hans Jürg Zinsli
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