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Ursula Meier, Switzerland, France, Belgium, 2008o

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A family's peaceful existence is threatened when a busy highway is opened only meters away from their isolated house in the middle of nowhere. Refusing to move, Marthe, Michel and their three children find innovative ways to adapt to their new environment. They continue their happy-go-lucky routine despite the daily stress of hundreds of noisy speeding cars. But suspicions about the highway's unknown long-term dangers cause family tension. Remaining in the disrupted household might not be so easy, but it's still their home.

Schon die Ausgangslage ist aussergewöhnlich, aber wie Regisseurin Ursula Meier in ihrem ersten Kinofilm diese Idee umsetzt, ist geradezu meisterhaft. Exzellente Darsteller wie Isabelle Huppert und Olivier Gourmet spielen die Hauptrollen, die Stimmung schwankt ständig zwischen Komödie und Tragödie. Es ist eine Schweizer Koproduktion mit Frankreich und Belgien, jedes Land beansprucht den Film für sich selber. Das hat es seit den Zeiten von Alain Tanner und Claude Goretta nicht mehr gegeben – was für ein Kompliment.

Matthias Lerf

Eine surreale Komödie voller hyperrealistischer Details, ein klaustrophobisches Kammerspiel in der Weite der Prärie, ein Familiendrama, das selbst in stickigster Schwärze noch komisch bleibt, eine Parabel über Realitätsverweigerung ... Ursula Meiers Home gehört zu den grossen Würfen im Schweizer Kino der letzten zwanzig Jahre, weil der Film als offenes Spiel mit Paradoxien angelegt ist und viele Lesarten zulässt. Die Inszenierung mit Dutzenden von Statisten und Autos, die wie Hundertschaften anmuten, dürfte ein Alptraum gewesen sein, dennoch bleibt der Film mehrheitlich luftig und und kratzt just die Kurve, wo bedeutungsschwerer Symbolismus droht. Die DarstellerInnen sind ausnahmslos Ausnahmetalente, der wild Stilmix auf der Tonspur ist ein Kabinettstück für sich. Am schlüssigsten ist vielleicht die Interpretation, welche die Regisseurin in Interviews selbst vorgeschlagen hat: Home zeigt die Familie als einen Mikrokosmos, der so sehr in seinen neurotischen Verstrickungen gefangen ist, dass ihm das Ignorieren der Welt draussen irrsinnig gut gelingt. Buñuel hätte seine Freude daran.

Andreas Furler

Pour son premier film, Ursula Meier vient de faire un sans-faute. Elle mélange comédie et drame, humour et malaise, photographie chaude et lumière blafarde avec le bruit régnant autour d'une autoroute.

Eric Coubard

Parfaitement original, Ursula Meier a réussi une fable gorgée de couleurs vives et d'entrelacs mystérieux.

Pierre Murat

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The New York Times, 11/25/2009

From Manohla Dargis

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rogerebert.com, 4/13/2010

From Roger Ebert

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Tages-Anzeiger, 5/19/2008
Paradies an der Autobahn

Für Ursula Meiers Film «Home» war in Cannes nur ein Auftritt am Rande übrig. Nach der Premiere wissen wir: Die Schweizerin hätte ein grosses Schaufenster verdient.

From Florian Keller

Mit ihrem Film «Home», so ging die Wette, werde die Westschweizerin Ursula Meier ins offizielle Programm des Filmfestivals in Cannes eingeladen. So hatte es Nicolas Bideau, der Filmchef des Bundesamtes fir Kultur, im «Tages-Anzeiger» versprochen. Meiers Erstling, eine belgisch- schweizerische Koproduktion, sollte also die lange Durststrecke fürs Schweizer Kino in Cannes beenden. Dumm nur, dass Bideau falsch lag mit seiner Prognose. «Home» läuft nicht im Wettbewerb, und trotz Isabelle Huppert in der Hauptrolle hat es die 36-jährige Regisseurin auch nicht in die prestigeträchtige Nebensektion «Un certain regard» geschafft.

Eine glückliche Familie wie selten

Als Trostpflaster gab es am Sonntag immerhin eine Spezialvorführung im Rahmen der «Semaine de la critique». Und nach der Premiere wissen wir: In der Oualität des Films hat sich Bideau diesmal nicht getäuscht. Nur hat er die verdeckten Mechanismen unterschätzt, die auch bei der Königin aller Filmfestivals das Programm beeinflussen. Denn selbst an der Croisette spielen bei der Auswahl immer auch branchenpolitische Faktoren mit. Schaut man sich nun die diesjahrige Konkurrenz an, so würde Ursula Meier mit «Home» im internationalen Wettbewerb durchaus eine gute Statur machen.

Meiers Heimatfilm der anderen Art beginnt mit einer glücklichen Familie, wie man sie selten sieht im Kino. Da gibts keine gröberen Macken, der Umgang ist auf gesunde Weise ungezwungen. Keine Spiesser sind das, aber auch keine Freaks. Nur dass diese Familie irgendwo im Niemandsland gleich neben einer unfertigen Autobahn wohnt. Die Piste neben dem Haus ist schon lange gebaut, doch die Eröffnung lässt seit zehn Jahren auf sich warten. Eines Tages will der Bub in der Ferne ein Auto gesehen haben, und wie aus dem Nichts marschieren am nächsten Tag die Bauarbeiter auf. Sie montieren Leitplanken, asphaltieren die Strasse neu. Mit der Ruhe ist es aus, bald rollt eine permanente Blechlawine am Haus vorbei.

Den Ausnahmezustand nimmt die Familie zunächst mit Humor und einer spielerischen Leichtigkeit. Vor allem Isabelle Huppert als Mutter will das lieb gewonnene Zuhause nicht leichtfertig aufgeben. Doch Lärm und Abgase zehren an den Nerven, es kommt zur Eskalation. Schon fürchtet man, die Geschichte führe nun schnurgerade in die Katastrophe, da schlägt der Film neue Haken. Und als der Vater (Olivier Gourmet) mit Frau und Kindern schalldichte Wände baut und sich einmauert wie in einem Bunker, entpuppt sich «Home» gar als heimtückische Allegorie des Sonderfalls Schweiz: Die Familie geht in die innere Isolation, das Zuhause wird zum Réduit.

Starkes Ensemble

Das Ensemble ist stark bis in die Kinderrollen, doch der eigentliche Zauber von «Home» liegt darin, wie Ursula Meier diesem exzentrischen Flecken Heimat immer neue Facetten abgewinnt. Wir bleiben zwar am Ort, gestrandet in diesem bescheidenen Paradies, das keines mehr ist. Aber berechenbar ist nichts an diesem Film - auch der Soundtrack wechselt kühn zwischen Haydn, Nina Simone und den Young Gods. Seit ihrem TV-Spielfilm «Des épaules solides» (2002) galt Ursula Meier als grosse Hoffnung des Schweizer Films. Mit «Home» legt die Regisseurin nun ihre eindrückliche Reifeprüfung fürs Kino ab. Hoffen wir, dass das im Glamourfieber von Cannes nicht untergeht.

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2/18/2009
Highway to Hell

Im Westschweizer Drama lebt eine Familie direkt an einer Autobahn - und wird dabei fast rasend.

From Andreas Scheiner

Da denkt man glatt an die Goldküsten-Bewohner, denen plötzlich Flugzeuge über die Gärten donnerten. Dabei ist die Lage, in der sich die Familie in «Home» befindet, noch um einiges prekärer. Diese Leute leben unmittelbar an der Autobahn, irgendwo im Nirgendwo. Nein, nicht hinter einer Schallschutzmauer; der Garten grenzt effektiv an die Strasse. Stören tut das die fünfköpfige Familie – zunächst – aber überhaupt nicht. Kunsstück: Die Autobahn wird gar nicht befahren.

Sie wartet seit 10 Jahren auf ihre Fertigstellung. Weit und breit ist weder ein Auto noch sonst etwas zu sehen; man lebt abgeschieden, aber glücklich, nutzt die Fahrbahn als Tummelplatz, spielt Street-Hockey, grilliert oder liegt in aller Gelassenheit an der Sonne. Bis der Sohn eines Tages eine schreckliche Beobachtung macht: «Ich habe einen Lastwagen gesehen», berichtet er seinen Eltern (Isabelle Huppert spielt die Mutter, Olivier Gourmet den Vater). In der Tat tauchen kurz darauf Männer in Signalwesten auf und montieren Leitplanken.

Wir hören dazu den Sound der Genfer Industrial-Pioniere The Young Gods. «Highway to Hell» von AC/DC hätte es auch getan: Anfangs werden in der Familie noch heiter Wetten abgeschlossen, welche Farbe das erste vorbeifahrende Auto haben wird, doch als der Highway in Betrieb genommen wird, wähnen sich die fünf bald einmal in der Hölle auf Erden. Das Idyll ist zerstört und mithin der Hausfrieden. Die Folgen sind verheerend.

Der erste Kinofilm der Westschweizer Regisseurin Ursula Meier ist ein Wurf, wie er dem heimischen Filmschaffen lange nicht mehr geglückt ist. Sukzessive baut Meier, die bei Alain Tanner gelernt hat, eine beklemmende Spannung auf. Die Inszenierung ist dicht, das Ensemble um Isabelle Huppert hervorragend und die Ausgangslage raffiniert. Ohne verkopft zu sein, bringt einen die skurrile Geschichte ins Sinnieren: das Haus an der Schnellstrasse als Allegorie des Sonderfalls Schweiz, dem die Globalisierung um die Ohren rast? Eine Parabel über die Abschottungsmentalität? Oder im Gegenteil ein Plädoyer für Abseitsstehen? Meier winkt nicht mit der Leitplanke, und das macht den in einer Sondervorstellung sogar in Cannes gezeigten Film erst recht sehenswert.

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Neue Zürcher Zeitung, 2/18/2009

From Christoph Egger

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Tages-Anzeiger, 1/30/2009
10-jähriger Waadtländer erobert das Kino

Der Primarschüler Kacey Mottet Klein schlüpft ab nächster Woche in die Rolle des jungen Serge Gainsbourg.

From Richard Diethelm

Beim ersten Casting für eine Kinderrolle fiel Kacey Mottet Klein durch. Der Blondschopf aus Bussigny war der Produzentin des Films «Home», Elena Tatti, unter den Zuschauern eines Triathlons in Lausanne aufgefallen. Nach der ersten Absage überlegte es sich die Regisseurin Ursula Meier jedoch anders. Hinterher war diese Rollenbesetzung für beide ein Glückstreffer. «Home» von Ursula Meier ist als bester Spielfilm für den Schweizer Filmpreis 2009 nominiert, der 10-jährige Kacey als grösste Schauspielhoffnung.

Der Film «Home» erzählt die Geschichte einer Familie, die sich im Niemandsland einer nicht fertig gebauten Autobahn äusserst wohl fühlt. Plötzlich bricht die (Un-)Zivilisation in Form von dröhnenden Baumaschinen und der nachfolgenden Blechlawine in diese heile Welt ein. Im Film spielt Kacey den Sohn auf so natürliche und berührende Weise, dass die Produzenten einer filmischen Biografie über den 1991 verstorbenen französischen Sänger, Texter und Komponisten Serge Gainsbourg auf das Schweizer Nachwuchstalent aufmerksam wurden.

«Die haben mich doch nur ausgewählt, weil meine Ohren wie Kabisblatter abstehen», witzelte der 10-Jährige gegenüber der Zeitung «Le Temps». Damit sehe er dem jungen Gainsbourg ähnlich. Das mag eine Rolle gespielt haben. Aber während der Dreharbeiten zu «Home» hatte Kacey offensichtlich schauspielerische Oualitäten gezeigt. «lch vergesse die Kamera, wenn gedreht wird. Und es macht mir nicht aus, dieselbe Szene 10-, 20-mal zu wiederholen.»

Filmdreh in Paris statt Schule

Von nächster Woche an wird der Waadtländer in Paris vor der Kamera stehen und den Anweisungen des Regisseurs Joann Sfar folgen. Während der Dreharbeiten zum Film «Serge Gainsbourg: vie héroique» wird Kacey die Schule in Bussigny etwa drei Wochen schwänzen. Darüber machen weder die Mutter, eine Schulkrankenschwester, noch der Stiefvater, ein Lehrer, viel Aufhebens. Anstatt die Schulbank zu drücken, wird der Junge den Glamour um die Filmstars Laetitia Casta, Yolande Moreau und Sara Foréstier geniessen. Danach bleibt Kacey noch genug Zeit, zu überlegen, ob er seine bisherigen Traumberufe Polizist oder Helikopterpilot bei der Rega aufgeben und dafür seine sehr junge Schauspielerkarriere fortsetzen soll. «Home» läuft in der Deutschschweiz ab dem 19. Februar.

All rights reserved Tages-Anzeiger. Provided by Tages-Anzeiger Archiv
Neue Zürcher Zeitung, 2/15/2009

From Bettina Spoerri

All rights reserved Neue Zürcher Zeitung. Provided by Neue Zürcher Zeitung Archiv
Le Temps, 10/14/2008

From Thierry Jobin

All rights reserved Le Temps. Provided by Le Temps Archiv
Le Monde, 10/27/2008

From Jean-Luc Douin

All rights reserved Le Monde. Provided by Le Monde Archiv
Portrait von Ursula Meier
/ SRF
de / 8/3/2013 / 26‘49‘‘

Portrait de Ursula Meier
/ RTS
fr / 5/9/2019 / 26‘35‘‘

Video Essay: Paradise Lost
/ Kevin B. Lee
en / 5/9/2019 / 04‘10‘‘

Interview with Isabelle Huppert
/ The Guardian
de / 8/9/2009 / 05‘26‘‘

Stationen aus Hupperts Karriere
/ ARTE
de / 5/9/2019 / 09‘00‘‘

Movie Datao

Genre
Drama
Running time
98 Min.
Original language
French
Ratings
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ØYour rating7.0/10
IMDB user:
7.0 (3638)
cinefile-user:
< 10 votes
Critics:
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Cast & Crewo

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ARTE, de , 09‘00‘‘
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Review The New York Times
Manohla Dargis
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Review rogerebert.com
Roger Ebert
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Review Tages-Anzeiger
Florian Keller
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Review Neue Zürcher Zeitung
Christoph Egger
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Porträt über den Kinderdarsteller Kacey Mottet Klein
Tages-Anzeiger / Richard Diethelm
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Hintergrundbericht zum Film
Neue Zürcher Zeitung / Bettina Spoerri
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Review Le Temps
Thierry Jobin
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Review Le Monde
Jean-Luc Douin
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