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The Sense of an Ending

Ritesh Batra, UK, 2017o

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The loner Tony is torn from his comfortable rut: He is to inherit the diary of a former friend who killed himself. But the ex-lover of the deceased, with whom he once had a frustrating relationship, doesn't want to hand over the book.

Julian Barnes’ meisterhafter Roman, auf welchem der Film von Ritesh Batra («The Lunchbox») beruht, handelt von der Unzuverlässigkeit unseres Gedächtnisses. Das ist filmisch schwer umsetzbar, und das Drehbuch ist an manchen Stellen etwas überdeutlich. Aber die durchwegs exzellenten Darsteller machen den Film dennoch sehenswert.

Thomas Bodmer

Ist das Leben nichts als eine sehr persönliche Fiktion, zusammengesetzt aus Halbwissen und Sehnsüchten? Jim Broadbent spielt Tony, dessen Erinnerung auf den Prüfstand gestellt wird. Der alte Herr hat überraschend geerbt, das Tagebuch eines Freundes, der sich das Leben genommen hat. Ritesh Batra hat den Roman von Julian Barnes mit viel Gefühl für Zwischentöne verfilmt, alles meisterlich gespielt.

Susan Vahabzadeh

Un postulat intimiste classique qui permet un intéressant travail de déconstruction narratif mais aussi et surtout une plongée dans les affres de la mémoire. Un sujet universel.

Julien Dugois

En équi­li­bre fragile entre séquences con­­tem­poraines et flash-back comme ­empoisonnés par la nostalgie, le film progresse vers une révélation, un ­bilan existentiel, un « sens de la fin », le titre original.

Cécile Mury

Galleryo

rogerebert.com, 3/9/2017

From Christy Lemire

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Variety, 7/26/2018

From Peter Debruge

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Tages-Anzeiger, 6/16/2018
Die Sache mit den Erinnerungen

In der Verfilmung von Julian Barnes’ meisterhaftem Roman «The Sense of An Ending» versucht ein alter Eigenbrötler, sich eine verflossene Liebe in Erinnerung zu rufen.

From Gregor Schenker

Was bleibt uns von Liebesbeziehungen am stärksten in Erinnerung? Sind es die schönen ­Momente – oder die peinlichen? Tony Webster hat alles getan, um die verkorkste Geschichte mit ­Veronica zu vergessen: Die junge Frau hatte ihn während seiner Studienzeit immer nur getriezt. Sie nahm ihn zu ihren Eltern mit, aber mit ihm ins Bett gehen wollte sie nicht. Das tat sie erst dann ein einziges Mal, nachdem der frustrierte Tony die Beziehung abgebrochen hatte. Dafür kam sie danach mit Adrian zusammen, einem von Tony ­bewunderten brillanten ehemaligen Mitschüler, und dieser Adrian brachte sich später um.

Mittlerweile ist Tony in den Sechzigern, hat einen winzigen Laden für teure Secondhand-Fotoapparate und lässt niemanden an sich ran ausser seiner Ex-Frau und der Tochter, die ihn gelegentlich ins 21. Jahrhundert zu zerren versucht. Doch eines Tages wird Tony aus seinem gemütlichen Trott ­gerissen durch den Brief eines Anwaltsbüros: Die Mutter der fiesen Veronica ist gestorben und hat Tony im Testament mit einer kleinen Geldsumme bedacht sowie einem Gegenstand, der sich als das Tagebuch von Adrian herausstellt. Doch Veronica will dieses Buch nicht herausrücken, und so nimmt Tony wieder Kontakt mit ihr auf.

Im Kopf von Tony

Der Film «The Sense of an Ending» von Ritesh Batra («The Lunchbox») beruht auf Julian Barnes’ gleichnamigem meisterhaftem Roman. Dieser hat einen so überraschenden Schluss, dass viele die ­Lektüre gleich noch mal von vorn begonnen haben. Der Reiz des Buchs besteht darin, dass wir uns gleichsam im Kopf des Icherzählers Tony befinden, der herauszufinden versucht, was damals wirklich passiert ist. Daraus einen Film zu machen, ist ­extrem schwierig, und das Drehbuch ist denn an manchen Stellen auch etwas überdeutlich.

Sehenswert ist der Film dennoch wegen der Darsteller: Jim Broadbent spielt den alten Tony als weltfremden Eigenbrötler. Ein Höhepunkt ist die Szene, in der Kumpel ihm vorführen, wie man im Netz recherchieren kann: Über die Rückseite des Computers hinweg sieht man nur die Gesichter der alten Knacker und deren Reaktionen. Michelle ­Dockery, die Lady Mary aus «Downton Abbey», verkörpert Tonys hochschwangere Tochter, und Harriet Walter ist absolut grossartig als die Ex-Frau, an der er sichtlich hängt und die ihm mit liebe­voller Ironie begegnet.

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6/13/2018
Was, wenn mein Leben eigentlich ganz anders war?

"Vom Ende einer Geschichte" erzählt von einem Mann, der sich fragt, ob er sich seine Vergangenheit zurechtbiegt. Der Film nach einer Romanvorlage von Julian Barnes ist besetzt mit Charlotte Rampling, Emily Mortimer und Jim Broadbent. Regisseur Ritesh Batra inszeniert den Film mit viel Gefühl für beiläufige Blicke und zarte Zwischentöne.

From Susan Vahabzadeh

Das Leben ist wie eine Reise im Schnellzug, die Dinge draußen vor dem Fenster rauschen viel zu schnell vorüber, als dass man immer genau wüsste, was man sieht. Das, was uns entgangen ist, setzen wir vor dem inneren Auge zusammen. So fließen in das fertige Bild nicht nur die Wirklichkeit ein, sondern Sehnsüchte und Wünsche, Furcht und Selbstschutz.

Anthony Webster, Tony genannt, der stille Held des Films "Vom Ende einer Geschichte", betreibt ein Fotogeschäft, weil Fotografieren seine Leidenschaft ist. Als junger Mann hat er begonnen, mit dieser Methode Augenblicke zu konservieren, akkurate Abbildungen der Wirklichkeit zu schaffen. Man kann das, glaubt er, nicht mit einer Digitalkamera - man braucht eine Leica. Auf diese alten Fotoapparate hat er sich spezialisiert, allein sitzt er in seinem kleinen Geschäft. Er ist ein Mann im Rentenalter, und wenn kein Kunde seine Leidenschaft mit ihm teilen möchte, ist das auch in Ordnung.

Überhaupt ist alles in Ordnung, es geht ihm gut, er versteht sich noch mit seiner Ex-Frau, seine Tochter bekommt bald ein Kind. Tony begleitet sie zum Geburtsvorbereitungskurs, sie bekommt ihr Baby allein. Sie glaubt, er werde sie vor dem lesbischen Paar im Kurs bis auf die Knochen blamieren, aber da hat sie ihn unterschätzt. Seine Tochter will er nicht vergrätzen, und Tony weiß, wie man ohne große Dramen durchs Leben kommt. Ein perfektes Mittelklasseleben, ohne große Ausschläge nach oben oder nach unten.

Da bekommt er eines Tages einen Brief, der ihm die Vervollständigung eines sehr ungenauen Bildes verheißt: Tony hat ein Tagebuch geerbt. Vor Jahrzehnten, kurz nachdem er das Fotografieren für sich entdeckt hatte, hat sich Adrian, einer seiner engsten Freunde, das Leben genommen. Man hat erst gar nicht den Eindruck, dass da alte Wunden wieder aufgerissen werden, was Tony treibt, scheint reine Neugier zu sein. Adrian hatte so klare Ansichten darüber, dass man die Dinge von allen Seiten beleuchten muss, um sie zu verstehen.

Anfangs macht das Schwelgen in der Vergangenheit Spaß, aber dann wird es schnell düster

Der Regisseur Ritesh Batra hat für "Vom Ende einer Geschichte" einen Roman von Julian Barnes verfilmt, dessen Lieblingsthema die subjektive Sicht der Dinge ist. Batra inszeniert das mit viel Gefühl für beiläufige Blicke, kaum wahrnehmbare Gesten und zarte Zwischentöne. Schon im vergangenen Jahr hat er einen wunderbar zurückhaltenden Film über das Altwerden gemacht, "Unsere Seelen bei Nacht", mit Jane Fonda und Robert Redford als Paar, das am Ende des Lebens auf der Suche ist nach etwas, was die Angst vor der Dunkelheit ein wenig erträglicher macht. Jetzt spürt Batra einem ganz anderen Aspekt nach, jenem, der den Autor der Vorlage interessiert hat: Wie ist das mit der Erinnerung? Wissen wir wirklich selbst am besten, wie unser Leben verlaufen ist, oder biegen wir die Vergangenheit zurecht?

Batra erforscht das Altwerden anhand von Schauspielern, die selbst nicht mehr ganz jung sind. Eine fantastische Besetzung hat er zusammengetrommelt, im Zentrum steht Jim Broadbent als Anthony Webster. Er dominiert fast jede Szene, mit einer Mischung aus Melancholie und Witz, man könnte sagen: melankomisch. Harriet Walter spielt seine herbe, bärbeißig fürsorgliche Ex-Frau Margaret, und Charlotte Rampling ist Veronica, die Tony das Tagebuch verweigern wird, das er geerbt hat. Tony bittet Margaret, die ihm immer noch nähersteht als irgendwer sonst, um Hilfe, denn sie ist Anwältin. Aber sie ist eben auch seine Ex-Frau, und sie stellt fest, dass es ziemlich viel gibt, was sie nicht weiß.

Wenn man um die Vergangenheit herumschleicht

"Vom Ende einer Geschichte" ist die Sorte Film, die wenig Aufhebens darum macht, wie sie erzählt ist. Die Versatzstücke der Erinnerung sind ein bisschen blasser und dunkler gefilmt als die Rahmenhandlung, und sie drängen nach und nach an die Oberfläche.

Erst nur als ganz einfache Fakten, dann aber, weil Margaret bei jeder Begegnung wieder nachfragt, was sie nicht versteht, als immer schmerzlichere Details. Erinnerungsschleifen nennt Barnes es, wenn man um die Vergangenheit herumschleicht, ohne auf den wirklich entscheidenden Punkt zu kommen. Veronica war einmal seine Freundin, erzählt Tony, sie war aber nicht so wichtig, denn er sei gar nicht richtig in sie verliebt gewesen. Schon der erste Flashback, die erste Begegnung, zeigt das Gegenteil.

Immer mehr Bilder, die er tief in sich selbst konserviert hatte, drängen ans Licht. Da sind seine Schulfreunde, die immer gleiche Bar in London, in der sie sich noch heute treffen, ein Wochenende auf dem Land, bei Veronicas Eltern, das Winken ihrer Mutter (Emily Mortimer), ihr Lachen, das Augenzwinkern. Sie ist diejenige, die Tony das Tagebuch vermacht hat, obwohl sie ihn nie wieder gesehen hat.

Anfangs sind die Erinnerungen schön; aber je tiefer Tony gräbt, desto düsterer werden sie. Es hat natürlich doch ein großes Drama gegeben, aber an die Details muss Veronica Tony erst erinnern, als er sie endlich ausfindig macht.

Julian Barnes hat, in einem ganz anderen Buch, einmal über die Auseinandersetzungen mit seinem Bruder geschrieben. Die beiden können sich nicht einigen auf ihre Kindheitserinnerungen, und der Bruder besteht darauf, dass keine Erinnerung viel taugt ohne eine Verifizierung von außen. Alles andere wäre sozusagen das postfaktische Ich.

Die Filmemacher weichen an vielen Stellen von der Romanvorlage ab

Der Umgang mit Verifizierbarkeit (oder ihrer Abwesenheit) hat dieser Tage einen merkwürdigen Beigeschmack entwickelt - diese Vorstellung, dass alles immer nur eine Frage der Perspektive ist.

Weder Barnes noch Batra haben die gemeine Lüge im Sinn, sie erzählen von einer Geschichtsklitterung, die sich ausschließlich nach innen wendet. Ob Tony sich bewusst war, was er getan hat, macht für den Lauf der Dinge keinen Unterschied. Schlimmer noch: Seine Rolle im Leben der Menschen, von denen die eigentliche Geschichte handelt, war viel kleiner, als er dachte. Letztlich ist die Verdrängung, mit der Tony manche Details aus der Zeit mit Veronica und nach Veronica in die unterste Schublade seines Hirns verbannt hat, reiner Selbstschutz, eine Art Schmerzmittel.

Das Drehbuch von Nick Payne weicht an vielen Stellen von Barnes' Vorlage ab, wer eine akkurate Illustration des Romans erwartet, wird von der Filmfassung enttäuscht sein. Aber dem Geist der Geschichte bleiben die Filmemacher treu. Das Leben sorgt schon dafür, dass wir seinen Verlust aushalten. Jede Geschichte, auch jene, die Tony sich selbst erzählt, hört irgendwann auf. Aber das Gefühl, dass es für sie irgendein befriedigendes Ende geben kann, erzeugt das noch lange nicht.

All rights reserved Süddeutsche Zeitung. Provided by Süddeutsche Zeitung Archiv
aVoir-aLire.com, 3/28/2018

From Julien Dugois

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La Croix, 4/2/2018

From Corinne Renou-Nativel

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Interview with Charlotte Rampling
/ The Movie Times
en / 3/3/2017 / 04‘08‘‘

Interview with Cast and Director Ritesh Batra
Ricky Camilleri / Build Series
en / 3/8/2017 / 35‘00‘‘

Essay: Novelist Julian Barnes on Time
From Julian Barnes / BBC
en / 13‘37‘‘

Movie Datao

Other titles
Vom Ende einer Geschichte DE
A l'heure des Souvenirs FR
Genre
Mystery, Drama
Running time
108 Min.
Original language
English
Ratings
cccccccccc
ØYour rating6.3/10
IMDB user:
6.3 (5171)
cinefile-user:
< 10 votes
Critics:
< 3 votes

Cast & Crewo

Jim BroadbentTony Webster
Charlotte RamplingVeronica Ford
Harriet WalterMargaret Webster
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Interview with Charlotte Rampling
The Movie Times, en , 04‘08‘‘
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Build Series, en , 35‘00‘‘
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gText
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Essay: Novelist Julian Barnes on Time
BBC / en / 13‘37‘‘
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