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The Sound of Insects: Record of a Mummy

Peter Liechti, Switzerland, 2008o

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In deep winter, a hunter finds the mummy of a 40-year-old man in the forest. Due to the detailed recording of the dead man it turns out that the man committed suicide by starvation the summer before. Adapted after a novella by the Japanes author Shimada Masahiko - based on a true story.

Liechti findet assoziative Bilder, die an die Found-Footage-Aufnahmen aus der Frühzeit des Kinos erinnern, als der Film selbst noch Neuland war, man zu fremden Ufern aufbrach, wie nun eine junge Frau im Ruderboot über den Styx setzt. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt, und doch fiebert man mit dem Hungernden mit. Der Sog, den der Film entwickelt, ist der des Rauschs, in dem das Ich sich auflöst. Damit ist The Sound of Insects reinstes Kino.

Martina Knoeben

The Sound of Insects heisst Peter Liechtis grosser jüngster Film. Er ist das Meisterstück eines Künstlers, der hier die Erfahrungen des experimentellen Films zu einem Stück Kino verdichtet, das von nichts als vom Sterben handelt und dabei das Leben als Folie von beklemmender Schönheit aufleuchten lässt. (...) Halluzinatorisch, von düsterer Grossartigkeit sind die bald in den Zeitraffer verfallenden, bald im groben Korn sich auflösenden oder ins Negativ umschlagenden Bilder, die das verschwimmende Bewusstsein des Sterbenden durchzucken, dem die Welt auf grossartig-unheimliche Weise zum Totenreich der Lebendigen wird.

Christoph Egger

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The New York Times, 12/20/2010
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8/31/2009
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5/19/2010
Monolog einer Mumie

Regenwasser sammeln, Radio hören, der letzte Stuhlgang, alle Details werden nüchtern notiert: Ein Dokumentarfilm erzählt vom Tod - aus der Perspektive des Verstorbenen.

From Martina Knoben

Unglaublich, dass dieser Film im vergangenen Jahr den Europäischen Filmpreis gewonnen hat. Als Dokumentarfilm! Das Summen der Insekten erzählt davon, wie man stirbt, aus der Perspektive des Gestorbenen, der Selbstmord durch Verhungern begangen hat. Damit bewegt sich der Film fast ausschließlich in Regionen, die sich der diskreten Beobachtung und dem analytischen Nacherzählen, wie sie jahrzehntelang die Gattung geprägt haben, vollkommen entziehen.

Es ist kein friedliches Einschlafen, das hier begleitet wird, sondern ein gewaltsames Sich-Herausreißen aus dem Leben. "Mir tut es überall so weh, als ob das Fleisch von innen her abgeschabt würde", hat der Verhungernde in das Tagebuch geschrieben, in dem er sein Selbstvernichtungsexperiment dokumentiert.

Ohrenbetäubendes Summen

Es bildet die Grundlage von Peter Liechtis Filmessay, ist allerdings selbst eine Fiktion. Der Japaner Shimada Masahiko hatte auf der Basis einer wahren Begebenheit seinen Text "Miira ni nanu made" (Bis ich zur Mumie werde) verfasst, auf den der Film beruht.

Der Monolog der Mumie betört durch seine Sachlichkeit: Regenwasser sammeln, Radio hören, der letzte Stuhlgang, alle Details dieses Sterbens werden nüchtern notiert. Nun haben wir uns längst daran gewöhnt, dass Menschen ihr Innerstes nach außen kehren, auf Facebook oder in Nachmittagstalkshows. Der Tod ist eines der wenigen verbliebenen Tabus, an denen Film und bildende Kunst seit einiger Zeit immer wieder rütteln. Voyeuristisch wie viele dieser Arbeiten ist Das Summen der Insekten jedoch nie. Der mumifizierte Leichnam, der in einem improvisierten Unterstand gefunden wird, dessen Identität nicht ermittelt werden kann, wird ebenso wenig gezeigt wie die Requisiten dieses Todes. Nicht einmal das Tagebuch ist zu sehen.

Gezeigt wird viel Natur. In einen abgelegenen Landstrich hatte sich der Selbstmörder zurückgezogen, dort mit Ästen und Plastikplanen eine provisorische Hütte errichtet. Der Wald erscheint als Ort des sich immer und immer wieder reproduzierenden Lebens - was plötzlich als zweischneidige Sache erscheint: Das satte Grün und das ohrenbetäubende Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Blätter halten dem Lebensmüden ein obszön überschießendes JA entgegen, das auch den Zuschauer herausfordert. Hat das Leben einen Wert an sich? Welchen, muss der Zuschauer schon selbst formulieren.

Im Unterstand, im Spukhaus

Dass auch der Körper des Lebensmüden sich ans Leben klammert, es mehr als 60 Tage dauern wird, bis er stirbt, macht seinen Selbstmord umso qualvoller. Ein Blitzkrieg findet statt, in den Eingeweiden des Hungernden und in der Natur, wo heftige Gewitter niedergehen. Der Hungernde phantasiert, auch von Frauen, ein geworfenes Messer fliegt in Zeitlupe durch die Luft, Glühbirnen flackern als nervöser elektronischer Overkill. Später verblassen die Farben, wird die Plane des Unterstands, durch die der Film immer wieder blickt, milchig, zunehmend mit Blättern und Nadeln bedeckt. "Das Plastiktreibhaus ist zum Spukhaus geworden", schreibt der Sterbende auf und hat immer häufiger Halluzinationen. Liechti findet assoziative Bilder, die an die Found-Footage-Aufnahmen aus der Frühzeit des Kinos erinnern, als der Film selbst noch Neuland war, man zu fremden Ufern aufbrach, wie nun eine junge Frau im Ruderboot über den Styx setzt.

Der Ausgang der Geschichte ist bekannt, und doch fiebert man mit dem Hungernden mit. Der Sog, den der Film entwickelt, ist der des Rauschs, in dem das Ich sich auflöst. Damit ist Das Summen der Insekten reinstes Kino. "In der Dunkelheit gibt es kein Subjekt", sagt der Sterbende.

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peterliechti.ch, 6/3/2019
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peterliechti.ch, 6/3/2019
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Liechti explains the sound design of the movie
/ Scottish Documentary Institute
en / 6/10/2014 / 4‘00‘‘

Liechti's motivation for the movie
/ Scottish Documentary Institute
en / 3/18/2014 / 1‘46‘‘

Liechti explains aesthetics choices
/ Scottish Documentary Institute
en / 3/19/2014 / 7‘15‘‘

Interview mit Peter Liechti
/ Visions du Réel
de en / 4/27/2014 / 3‘30‘‘

Movie Datao

Other titles
Das Summen der Insekten - Bericht einer Mumie DE
Genre
Documentary 
Running time
87 Min.
Original language
English
Ratings
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ØYour rating7.1/10
IMDB user:
7.1 (482)
cinefile-user:
< 10 votes
Critics:
< 3 votes q

Cast & Crewo

Peter Mettler
Alexander Tschernek
Peter LiechtiDirected by
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Bonuso

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Scottish Documentary Institute, en , 1‘46‘‘
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Interview mit Peter Liechti
Visions du Réel, de en, 3‘30‘‘
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gText
Review The New York Times
Rachel Saltz
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Review Filmbulletin
Martin Girod
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Review Süddeutsche Zeitung
Martina Knoben
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Rezensionen zum Film
peterliechti.ch / Peter Liechti
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Texte zum Film
peterliechti.ch / Peter Liechti
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