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The Goldfinch

John Crowley, USA, 2019o

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A boy in New York is taken in by a wealthy family after his mother is killed in a bombing at the Metropolitan Museum of Art. In a rush of panic, he steals 'The Goldfinch', a painting that eventually draws him into a world of crime.

Ein monströses Coming of age, eine Bestsellerverfilmung, Donna Tartts vielhundertseitiger Roman, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, kondensiert von John Crowley in zweieinhalb Filmstunden. Ein Junge verliert im Metropolitan Museum in New York seine Mutter, bei einem Bombenanschlag, und holt sich dabei den berühmten "Distelfink" des niederländischen Malers Carel Fabritius, und diese Vermengung von Verlust und Gewinn zieht der Film durch in einer Kette von Ereignissen über Jahre hinweg, bis aus dem Jungen-Darsteller Oakes Fegley der jugendliche Ansel Elgort wird.

Fritz Göttler

Am Ende aber ist «Der Distelfink» einer der Fälle, bei dem diese Zutaten kein schlüssige Ganzes ergeben. In schwerfälligen Dialogen unterhalten sich 13-Jährige darüber, was genau sie an den Glenn-Gould-Einspielungen von Beethoven mögen oder ob sie im Sommer Spass am Segelurlaub gefunden haben. Obwohl der Film mit zweieinhalb Stunden schon ungewöhnlich lang ist, wird nur an wenigen Stellen die Tiefe des zugegebenermassen mit 1.024 Seiten auch arg üppig geratenen Romans kaum erreicht. Wo aber im Buch einige Introspektiven Theos für Farbe und Mitgefühl sorgen, fehlen dem mäandernden Drama beherztere Schwerpunkte und mehr Mut zum Detail.

nn

John Crowley adapte de manière trop ramassée le roman de Donna Tartt, dont l’intrigue court sur des décennies entre l’Amérique et l’Europe.

Thomas Sotinel

Mais, hormis quelques scènes intenses, sur deux heures et demie de mélodrame, le réalisateur John Crowley n’apporte qu’une sage mise en images à ce scénario qui semblait tendre les bras à Hollywood.

Louis Guichard

Galleryo

avclub.com, 9/8/2019

From A.A.Dowd

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9/22/2019
Dieser Blick ist hundert Seiten wert

John Crowley hat Donna Tartts Weltbestseller Der Distelfink verfilmt und beweist: Die Kraft des Kinos behauptet sich gegen alle Serien-Seligkeit.

From Fritz Göttler

Ein echtes Glück gibt es nur am Rand der Welt. Zwei Jungen hocken auf einfachen Schaukeln nebeneinander, es ist Abend, und wenn sie hin und her gleiten, blitzt zwischen ihnen die untergehende Sonne durch. Eine frisch gebaute Siedlung am Rand der Wüste vor Las Vegas, so abgelegen, dass niemand dort einziehen und leben mag. Eine Geisterstadt, grenzenlose Einsamkeit, aber auch wohltuende Unabhängigkeit. Theo und Boris, zwei lost boys, die sich gefunden haben, herrlich verkörpert von Oakes Fegley und Finn Wolfhard (sein Boris ist eine Art amerikanisches enfant sauvage).

Peter Pan, sagt die Schriftstellerin Donna Tartt, stecke in jedem der Romane, die sie geschrieben habe, das sei eins der wichtigen Bücher ihrer Jugend gewesen: eine Droge, ein eigener Bewusstseinszustand. Das Bild der beiden Buben im Abendlicht konzentriert im Film, worum es in Tartts Bestseller Der Distelfink - 2013 erschienen, von Millionen begeistert gelesen, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet - geht. Ein Buch von Trauer, Verlust, Verzweiflung, Schuldgefühl. Verlorenheit. Das Bild dauert wenige Sekunden, aber es ist Hunderte Seiten wert. Es ist einer der Momente, wo die Verfilmung von John Crowley auf die Kraft des Kinos vertraut.

Theo hat, wenn die Jungen so beisammensitzen, schon eine Reihe von leidvollen Abschieden hinter sich. Mit seiner Mutter war er eines Nachmittags im New Yorker Metropolitan Museum of Art, in einer Ausstellung großer niederländischer Malerei. Die Mutter hat ihm erklärt, was sie an den Gemälden bewegt und fasziniert, von Rembrandts Die Anatomie des Dr. Tulp bis zum Distelfink des Rembrandt-Schülers Carel Fabritius. Dann ist die Mutter Opfer eines Terroranschlags geworden, und im Trümmerchaos danach nimmt Theo den von der Wand gestürzten "Distelfink" mit und hält ihn jahrelang versteckt. Das Bild gilt als vermisst.

Der Distelfink lebt mehr von traumatischen Impressionen als von einer konsequenten Intrige

Nach dem Tod der Mutter wird Theo in die Familie eines Freundes aufgenommen, die neue Mutter ist die stilvolle Park-Avenue-Matrone Nicole Kidman. Als er hier heimisch zu sein scheint, kommt sein richtiger Vater, Luke Wilson, der ihn in sein Haus am Rand von Las Vegas holt. Er will natürlich an Theos Geld ran. Da kann nur Boris helfen und seine Anarchie.

Man hätte den Distelfink nicht in zweieinhalb Kinostunden pressen dürfen, haben amerikanische und britische Kritiker moniert, hätte ihm die Chance geben müssen, sich in einer Fernsehserie zu entfalten - der heute übliche kurzsichtige Blick, der die Unterschiede zwischen den Medien nicht wahrhaben will. Natürlich gehört der Distelfink auf die Leinwand, ein Roman, der mehr von traumatischen Impressionen lebt als von einer konsequenten Intrige.

Der Film verliert Kraft, sobald in die Geschichte von Theo und Boris immer mehr Liebe und Kriminalität eindringen und die beiden jungen Akteure ersetzt werden durch die älteren Ansel Elgort und Aneurin Barnard. Wenn auf einmal große Fragen verhandelt werden - ob das ein Verbrechen sei, ein solches Bild wie den Distelfink, das der Menschheit gehört, einzusperren. Genau dies wird Theo vorgeworfen von dem passionierten Antiquitätenhändler Hobie, der den Jungen einst lehrte, wie echte Kunst sich anfühlt, durch Berührung und Betasten.

Wenn der kleine Theo im Museum neben der Mutter erstmals vor dem Distelfink steht, blitzt ein schalkhaftes Interesse in seinen Augen auf, fast diabolisch. Auch dieser Blick ist gut hundert Seiten Roman wert.

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Der Tagesspiegel, 9/25/2019

From Peter von Becker

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Ansel Elgort on "The Late Show"
Stephen Colbert / The Late Show with Stephen Colbert
en / 9/10/2019 / 9‘01‘‘

Über die Romanvorlage (Lesetipp)
Ijoma Mangold / Die Zeit
de / 6/24/2014 / 4‘52‘‘

Interview with director John Crowley
/ HMV
en / 9/25/2019 / 6‘15‘‘

On the painting "The Goldfinch" by Carel Fabritius
/ CBS
en / 12/29/2013 / 2‘44‘‘

Interview with novelist Donna Tartt
Kirsty Wark / BBC
en / 10/16/2013 / 6‘30‘‘

Movie Datao

Other titles
Der Distelfink DE
Le Chardonneret FR
Genre
Crime/Thriller, Drama
Running time
149 Min.
Original language
English
Ratings
cccccccccc
ØYour rating6.3/10
IMDB user:
6.3 (3622)
cinefile-user:
< 10 votes
Critics:
< 3 votes

Cast & Crewo

Ansel ElgortTheodore Decker
Oakes FegleyYoung Theodore Decker
Aneurin BarnardBoris Pavlikovsky
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Bonuso

iVideo
Ansel Elgort on "The Late Show"
The Late Show with Stephen Colbert, en , 9‘01‘‘
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Über die Romanvorlage (Lesetipp)
Die Zeit, de , 4‘52‘‘
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Interview with director John Crowley
HMV, en , 6‘15‘‘
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On the painting "The Goldfinch" by Carel Fabritius
CBS, en , 2‘44‘‘
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Interview with novelist Donna Tartt
BBC, en , 6‘30‘‘
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gText
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Fritz Göttler
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Peter von Becker
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