Hanami
Denise Fernandes, Cape Verde, Portugal, Switzerland, 2024o
On a remote volcanic island that everybody wants to leave, little Nana learns to stay. Her mother, Nia, went into exile right after she was born and Nana grows up in the family of her father. One day, the family learns that Nia is ill. Nana begins to develop high fevers and is sent to the foot of a volcano for treatment. There she encounters a world steeped in magical realism, between dreams and reality. Later, when Nana is a teenager, her mother Nia finally returns to the island.
Hanami spielt auf einer der kargsten kapverdischen Vulkaninseln und verbindet seinen japanischen Titel mit der Geschichte der kleinen Nana, die von ihrer Mutter Nia bis zum Wiedersehen an ihrem sechzehnten Geburtstag zurückgelassen wird. Der Film ist weniger lineare Erzählung als geträumte Sehnsucht: Zeiten überlagern sich, Erinnerungen und Ahnungen rollen wie Wellen über den schwarzen Strand, an dem Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Das Leben auf der Insel ist von Trockenheit, Abwanderung sowie der Sehnsucht nach der Ferne und nach den bereits Fortgegangenen geprägt, zugleich aber von Gemeinschaft: Die Frauen kümmern sich um alle Kinder, Nana wird zur alten Heilerin geschickt und findet in der Bäckerei des Onkels eine Aufgabe.
Die in Lissabon geborene, 35jährige Schweizer Regisseurin Denise Fernandes macht in ihrem ersten Langfilm die Heimat ihrer kapverdischen Eltern zum Schauplatz und deren Bewohner:innen zu ihren Protagonist:innenen. Dabei nutzt sie unser Bedürfnis nach erzählerischer Verlässlichkeit, um immer wieder andere Dimensionen zu öffnen: Selbst die Bäckerei wird zum symbolischen Sehnsuchtsort. Ein japanischer Geowissenschaftler, der die Vulkantätigkeit untersucht, freundet sich ohne gemeinsame Sprache mit dem alten Orlando an, der sich selbst als «Herz der Lava» bezeichnet, vergleicht das Betrachten der Vulkane mit dem Betrachten von Blüten (Hanami) und feiert die japanisch-vulkanische Freundschaft mit einem Feuerwerk.
Die Gleichzeitigkeit der Sehnsüchte kulminiert im stillen Gespräch von Mutter und Tochter am Meer, wo sich ihre Gestalten kaum mehr unterscheiden und Nanas Kindheit als Wunschtraum der abgereisten Mutter lesbar wird. Bildgestaltung und Inszenierung wirken zugleich dokumentarisch und poetisch; Laiendarstellerinnen, zeitlose Atmosphäre und die Musik (von Rahel Zimmermann bis zu Gil Semedos «Bye, Bye My Love») lassen den Film ebenso magisch und real nachhallen.
Michael SennhauserGalleryo
