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Die Herbstzeitlosen

Bettina Oberli, Switzerland, 2006o

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Martha lives in a small Emmental village, is 80 years old and would like to die herself since the death of her husband. Four girlfriends cheer her up and help her to realize the dream of her youth: a lingerie boutique. But the frivolous enterprise meets with much resistance among the conservative villagers.

Mit dieser leichtfüssigen und gleichzeitig berührenden Komödie schöpft Regisseurin Bettina Oberli aus der Tradition der Heimat-Klassiker, holt sie aber ins Internet-Zeitalter. In dieser Umkehrung der Klischees erweisen sich die rüstigen älteren Damen als fortschrittlich und erfinderisch, während ihre Söhne eher in alten Denkmustern gefangen bleiben.

Marcy Goldberg

Nehmt das, ihr Hinterwäldler! Ein paar gut aufgelegte Seniorinnen pfeifen in Bettina Oberlis schweizerischer Antwort auf Kalender Girls auf Jugendwahn, Scheinmoral und Patriarchat und zeigen, dass es für die Verwirklichung seiner Träume nie zu spät ist – selbst wenn sich der lang gehegte Jugendtraum als eigene Boutique für selbstentworfene Spitzenunterwäsche herausstellt.

o.A.

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Der Standard, 9/11/2007

From o.A.

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Der Tagesspiegel, 3/31/2007

From Daniela Sannwald

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Neue Zürcher Zeitung, 10/7/2006
Drunter und drüber

From Alexandra Stäheli

Es haben sich schon Generationen quälerischer Köpfe an der Frage zerbrochen, weshalb die Schweiz als Nährboden für ein griffiges, brisantes Filmschaffen zu wenig vitale Mineralien hergeben könnte. Liegt es vielleicht an unseren beschaulichen, ungefährlichen Lebensbedingungen, dass viele auch bedeutendere Werke letztlich immer irgendwie mittellustig oder mit Harmlosigkeit glasiert sind? Weshalb nur will es uns seit den rabiaten, sozialpolitisch engagierten Filmen eines Alain Tanner, Claude Goretta oder auch Xavier Koller nicht mehr wirklich gelingen - wie es mit ähnlich bescheidenem Budget etwa die «Dogma»-Bewegung oder auch das lateinamerikanische Kino vormachten -, substanzielle Themen auf die Leinwand zu bringen, die auch von internationalem Interesse sein könnten?

Unterwäsche gegen die Trauer

Jedenfalls können Komödien wie Niklaus Hilbers «Cannabis» oder Peter Luisis «Love Made Easy», die derzeit im Kino zu sehen sind, kaum als Beweis für jene qualitative und populäre Erstarkung des Schweizer Films dienen, die sich das Bundesamt für Kultur bei jedem Anlass so gerne herbeiwünscht. Vielmehr bekräftigen sie den seit Mike Eschmanns RS-Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» im Schweizer Filmschaffen genährten Trend zu einer betäubenden Mixtur aus einfallsloser Hauruck-Komik, unbedarft-weltfremder Story und einem ermüdenden Zwang zur Konstruktion.

Doch es gibt in diesem dumpfen Getöse vor allem im Umfeld jüngerer Filmemacherinnen auch leise Hoffnungsschimmer. Andrea Štakas in Locarno preisgekrönter Film «Das Fräulein» etwa liess horizontvollere, über die Schweiz hinausweisende Dimensionen aufblitzen. Wie auch Bettina Oberlis überraschendes Début «Im Nordwind» (2004), ein filigranes Drama über einen arbeitslos werdenden Familienvater, dessen Intensität sich gerade nicht einem unbändigen Willen zur Struktur oder zu hysterischen Anpassungsversuchen an einen imaginären Mainstream verdankt, sondern einem Zugang ganz von unten, aus kleinen psychologischen Beobachtungen heraus.

Auch «Die Herbstzeitlosen», Oberlis zunächst als Fernsehfilm produzierter Zweitling, trägt nun eine solche psychorealistische Keimzelle in sich: Die Inspirationsquelle für ihr Drehbuch, erzählt die Regisseurin, sei ihre Grossmutter Klara gewesen, die als arbeitsame, pflichtbewusste Witwe im Emmental lebe. Aus der Frage, was geschähe, wenn solche selbstlosen Rentnerinnen plötzlich einmal die Erwartungen der Gesellschaft durchkreuzten und etwas für sich selbst täten, schälte sich Schicht für Schicht die Figur der 80-jährigen Martha heraus (verkörpert von einer unbändigen Stephanie Glaser in ihrer ersten Kino-Hauptrolle), die nach dem Tod ihres Mannes jegliche Lebenslust verliert. Um sie etwas aufzuheitern, bewegen ihre Freundinnen Lisi (Heidi Maria Glössner), Frieda (Annemarie Düringer) und Hanni (Monica Gubser) die ehemalige Damenschneiderin dazu, eine Lingerie-Boutique mitten im Emmentaler Trub aufzumachen.

Aber Martha ist stur in ihrer Trauer. Nur linkisch befreit sie ihre alte Nähmaschine aus der Gruft jahrzehntelanger Abstinenz, mürrisch setzt sie die Schere an ein Stück leuchtende Seide - um bald darauf selbst über der neuen Aufgabe aufzublühen. Den Dorfbewohnern jedoch passt Marthas plötzlicher Aktivismus gar nicht, allen voran Marthas Sohn Walter (Hanspeter Müller-Drossaart), dem scheinheiligen Pfarrer, der nicht einsieht, weshalb sich seine Mutter in ihrem Alter noch einen Traum verwirklichen soll. Und für den bigotten Rechtspopulisten Fritz (Manfred Liechti) ist der «Reizwäscheladen» mit dem frivolen Namen «Petit Paris» schlicht ein Schandfleck, der bis zum kantonalen Chorfest ausgelöscht werden muss - mit allen unlauteren Mitteln . . .

Da geht es denn im aufgerüttelten Trub bald so herzhaft keifend zu und her wie in Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen, in deren Tradition sich «Die Herbstzeitlosen» schon allein durch die Wahl des Drehorts Trub sowie die Dialoge im Emmentalerdialekt unweigerlich stellt. Dass aber die quirlige Witwe und ihre ebenfalls zu neuem Selbstbewusstsein erwachten Freundinnen zu guter Letzt nicht einfach wieder reuig in den Schoss der Gemeinschaft zurückkehren, ist nicht nur eine Absage an die revisionistische Moral der Schnyder-Filme; die warmherzige Feelgood-Komödie plädiert vielmehr auch für das Recht auf einen würdevollen, und das heisst sinnerfüllten, letzten Lebensabschnitt.

Melancholie und Witz

Der Film tut dies - unterstützt von einem brillanten Schauspielensemble, dem man gerne zusieht - mit einer gesunden Mischung aus Melancholie und Witz, die Komik als Balanceakt über tragischen Abgründen (und nicht wie die «Charlies» als Vollstreckung einer Formel) versteht. Auch wenn man der etwas biederen Ästhetik und dem doch berechenbaren Drehbuch mit folkloristischem Showdown die Konzessionen ans Fernseh- Format deutlich anmerkt, «Die Herbstzeitlosen» ist ein charmantes Unterhaltungsstück mit erahnbarem Tiefgang geworden, das uns auf die nächste Arbeit der Berner Regisseurin gespannt sein lässt.

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Neues Deutschland, 3/29/2007

From Marion Pietrzok

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3/22/2007

From Meike Stolp

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filmsprung.ch, 2/7/2009

From Thomas Hunziker

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SRF, 1/27/2009

From O.A.

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Rückschau und Kommentare der Servelat-Prominenz
/ SRF
de / 2/21/2017 / 3‘45‘‘

Interview mit Bettina Oberli
From o.A / kulturwoche.at
de / 18‘40‘‘

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Other titles
Les mamies ne font pas dans la dentelle FR
Late Bloomers EN
Genre
Comedy
Running time
90 Min.
Original language
Swiss German
Ratings
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ØYour rating7.1/10
IMDB user:
7.1 (983)
cinefile-user:
< 10 votes
Critics:
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Cast & Crewo

Stephanie GlaserMartha Jost
Annemarie DüringerFrieda Eggenschwyler
Monica GubserHanni Bieri
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Bonuso

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